"Den Brandenburger Weg neu bestimmen."
Regierungserkärung des Ministerpräsidenten des Landes
Brandenburg, Manfred Stolpe, vor dem Brandenburgischen Landtag am 20. August
1997
Diese Landesregierung ist mit dem Anspruch angetreten, den Menschen in
Brandenburg eine Perspektive im vereinten Deutschland und dem Land einen
angemessenen Platz unter den Ländern der Bundesrepublik und in den Regionen
Europas zu verschaffen.
Gemeinsam mit den Brandenburgerinnen und Brandenburgern und mit der Unterstützung
der Bundesregierung und der westlichen Bundesländer haben wir es vermocht,
diesen Anspruch ein gutes Stück weit einzulösen.
Allerdings konnte es uns in den vergangenen sieben Jahren noch nicht
gelingen, die Lücke in der wirtschaftlichen Entwicklung zwischen Ost- und
Westdeutschland zu schließen; dies war auch nicht zu erwarten. Alarmierend
ist aber, daß mittlerweile die Schere wieder auseinanderklafft; wir holen
nicht mehr auf, sondern verlieren wieder an Boden. Erneut ist der Abbau von
Arbeitsplätzen stärker als der Zugewinn und der mühsame - und für
viele Menschen mit großen Opfern verbundene - Entwicklungsprozeß hat
sich seit 1995 spürbar verlangsamt. Die neuesten Einschätzungen aus
dem Hause des Bundeswirtschaftsministers müssen allen große Sorgen
machen.
Der globale Strukturwandel ist dafür sicher eine Ursache. Die
politischen und wirtschaftlichen Koordinaten ganz Deutschlands werden seit der
Auflösung des Ostblocks und vor allem durch die zunehmende Globalisierung
der Wirtschaft neu vermessen. Der Strukturwandel darf aber nicht zur Ausrede
werden: Bisher hat die Bundesregierung keine Antworten auf diese Heraus
forderung gefunden; sie ist seit langem in der Pflicht, die notwendigen Reformen
einzuleiten.
Bei der Steuerreform wäre dieser Reformwille besonders notwendig. Das
bisherige Steuerreformkonzept der Bundesregierung ist jedoch unfinanzierbar,
sozial unausgewogen und setzt zudem die falschen wirtschaftlichen Signale.
Dennoch muß jeder Versuch unternommen werden, jetzt einen Kompromiß
zu finden, denn der Impuls einer Steuerreform ist von großer Bedeutung für
die wirtschaftliche Gesundung des Landes.
Die Menschen im Osten Deutschlands haben in den letzten sieben Jahren
gezeigt, daß sie die notwendige Strukturanpassung und deren Folgen für
die Arbeitsgesellschaft nicht nur akzeptieren, sondern auch mittragen. Ihre Enttäuschung
und Sorge richtet sich deshalb nicht gegen den Wandel unserer
Arbeitsgesellschaft. Zweifel haben die Menschen vielmehr an der Gestaltungskraft
und Gestaltungsfähigkeit der Politik, für diesen Wandel die richtigen
Rahmenbedingungen zu setzen.
Ob durch neue Formen der Verteilung der Erwerbsarbeit oder durch eine neue
Bewertung des Begriffes Arbeit - die Politik ist gefordert, für die
sozialen Folgen des Marktes Instrumente zu finden, die den Zusammenhalt unserer
Gesellschaft erhalten.
Die Kirchen haben uns in ihrem Wort zur wirtschaftlichen und sozialen Lage
in Deutschland ins Stammbuch geschrieben, was immer mehr Menschen empfinden:
Die Politik darf sich nicht das Heft aus der Hand nehmen lassen! Es ist Aufgabe
der Politik zu verhindern, daß wir zu einer Gesellschaft werden, in der
durch die Explosion der Produktivität ein Kapitalismus mit immer weniger
Arbeit für immer weniger Menschen entsteht. Dies würde den
Zusammenhalt der Ge sellschaft gefährden.
Die Landesregierung stellt sich der Verpflichtung, auf diesen
gesellschaftlichen Strukturwandel zu reagieren. Sie tut dies heute unter
ungleich schwereren Bedingungen als in den ersten Jahren nach der Wende. Wir
alle wissen: Die finanziellen Grundlagen unserer Handlungsmöglichkeiten
sind heute erheblich eingeschränkter als gegenüber den Jahren 1990 bis
1995.Wir müssen uns in Brandenburg deshalb zwei Fragen beantworten:
Erstens: Welche Leitgedanken müssen wir unserer Politik zugrundelegen,
damit wir unser Land in Zukunft international konkurrenzfähig, aber auch
lebenswert im Sinne einer humanen Gesell schaft erhalten?
Die Antwort auf diese Frage führt uns zu einer stärkeren
Konzentration auf die Leitgedanken, die die Richtung brandenburgischer Politik
von Beginn an geprägt haben. Es sind dies Solidarität, Regionalität
und Innovationsfähigkeit.
Diese Leitgedanken sind eingeführt als der "Brandenburger Weg".
Solidarität in Brandenburg heißt - niemanden
auszugrenzen, niemanden aufzugeben, aber auch: sich für die Gemeinschaft in
der Pflicht zu fühlen. Dabei brauchen die Schwächeren die solidarische
Unterstützung der Stärkeren und die kommende Generation das
verantwortungsbewußte Handeln derjenigen, die heute aktiv sind.
Regionalität bedeutet, die Vielgestaltigkeit des Landes zu
erhalten und die Identifikation der Menschen mit ihrer Region zu bewahren.
Und weil das Land Brandenburg im sich verändernden Europa für die
Zukunft gerüstet sein muß, brauchen wir als dritten Leitgedanken Innovation
und die Innovationsbereitschaft in Wirtschaft und Gesellschaft. Nur wenn wir
Aufgeschlossenheit für Zukunftstechnologien bewei sen, wenn wir
Rahmenbedingungen schaffen, unter denen die Wirtschaft zukunftsweisende
Technologien aufbauen kann, und nur wenn wir die jungen Menschen auf diese
Zukunft vor bereiten, haben unsere Entscheidungen heute vor den Anforderungen
des beginnenden 21. Jahrhunderts Bestand.
Innovation beschränkt sich aber nicht auf den technologischen
Fortschritt. Mit jedem Strukturwandel gehen neue gesellschaftliche
Herausforderungen einher. Um auf sie reagieren zu können, benötigen
wir ebenfalls innovative Kraft und Ideen.
Die zweite Frage lautet deshalb: Welche Potentiale müssen wir stärken,
vor allem - worauf müssen wir unsere knappen Mittel konzentrieren, um im
Kreis der europäischen Regionen auf Dauer unseren Platz zu behaupten?
Bei realistischer Einschätzung unserer Möglichkeiten sind dies die
folgenden Potentiale:
- Brandenburg verfügt über erfolgreiche und für die Zukunft
entwicklungsfähige innovative wirtschaftliche und wissenschaftliche
Zentren, und es hat durch neue Technologien wettbewerbsfähige industrielle
und gewerbliche Kerne.
- Brandenburg hat ferner natürliche und kulturelle Ressourcen, die
Grundlage sind für Wirtschaften im Lande und für den Tourismus.
- Brandenburg besitzt darüber hinaus durch seine geographische Lage ein
Plus für die Zukunft als Brückenland zu Mittel- und Osteuropa.
- Brandenburg wird weiter Partner Berlins sein bei der Bewältigung
seiner zukünftigen Hauptstadtfunktion und mit Berlin die Hauptstadtregion
entwickeln.
- Und nicht zuletzt: Brandenburg lebt, entwickelt und entfaltet sich aus
seinen mit ihrer Heimat verbundenen, gut ausgebildeten Menschen.
Wenn wir unseren Weg als eine solidarische Gesellschaft fortsetzen und auf
die Stärken der Regionen bauen, dann steckt nach meiner festen Überzeugung
in diesen Potentialen genug Kraft, um auf folgenden fünf Entwicklungslinien
unser Land zu einer eigenständigen und lebenswerten Region in Europa
auszugestalten.
Ich nenne zuerst die Entwicklungslinie Technologie und Forschung: Wir
unternehmen in Brandenburg alle Anstrengungen, um unsere technologischen
Potentiale im Industrie- und Dienstleistungsbereich und eine paßgerechte
Hochschul- und Forschungslandschaft zu einem Erfolg für Wirtschaft,
Wissenschaft und Gesellschaft zu führen;
Ich nenne als zweite Entwicklungslinie Kultur und Wirtschaft im Land:
Wir versuchen, das vielgestaltige Miteinander von ursprünglicher Natur,
gestalteter Kulturlandschaft und landwirt schaftlichem Wirtschaftsraum zu
charakteristischen Lebens-, Arbeits- und Kulturräumen auch für künftige
Generationen zu entwickeln;
Die dritte Entwicklungslinie heißt räumliche
Vernetzung: Wir tun alles dafür, die Hauptstadtregion
Berlin-Brandenburg durch effektive kommunale, kulturelle und städtebauliche
Strukturen, durch ein modernes Verkehrs- und Kommunikationsnetz und durch eine
solidarische Landesentwicklung zu einer zentralen Region Europas zu machen;
Die vierte Entwicklungslinie läuft entlang der Achse Bildung-Ausbildung-Weiterbildung:
Damit schaffen wir Rahmenbedingungen, um die junge Generation durch ein
zukunftsorientiertes Ausbildungssystem und eine verantwortungsbewußte
Erziehung zu ebenso offenen wie leistungsfähigen, ebenso
verantwortungsvollen wie demokratisch gesinnten Bürgern heranwachsen zu
lassen, die aus diesem Land etwas machen wollen.
Unsere fünfte Entwicklungslinie schließlich lautet Innerer
Frieden-Rechtsstaat-solidarische Arbeits- und Sozialpolitik: Hier tun wir
alles, damit dieses Land beispielhaft wird für eine soziale Demokratie,
deren Bürgerinnen und Bürger Toleranz, Bürgersinn und
Mitverantwortung beweisen, weil sie Sicherheit, Recht und solidarische
Gemeinschaft erleben.
Welche politischen Schwerpunkte, Zielstellungen und Projekte die
Landesregierung entlang dieser fünf Entwicklungslinien verfolgen wird, will
ich im folgenden erläutern:
1. Entwicklungslinie Technologie und Forschung: Energie und Umwelt, Verkehr
und Medien.
Wie wollen wir die Entwicklungslinie Technologie und Forschung ausgestalten?
Sie wissen, die ostdeutsche Wirtschaft steht im Zeichen der Umorientierung ihrer
Antriebskräfte: von der Bauwirtschaft zu Industrie und Dienstleistungen,
von material-, energie- und arbeitsaufwendigen zu forschungsintensiven und
umweltfreundlichen Fertigungen und Produkten.
Bei der Bewältigung dieses Strukturwandels sind konstante und verläßliche
Hilfen aus Bonn für die neuen Bundesländer von existenzieller
Bedeutung, um dem Osten in seiner Gesamtheit eine Perspektive zu eröffnen.
Mit unseren begrenzten Haushaltsmitteln können wir nur einen Teil der
Aufgaben allein bewältigen. Das Rückgrat dieser Förderung stellen
die Mittel der Gemeinschaftsaufgabe dar. Jeder Versuch einer Kürzung dieser
Mittel hat für uns alle fatale Auswirkungen, denn das schwächt den
Standort Deutschland auf Dauer.
Wir fordern die Bundesregierung deshalb auf, bei der Gemeinschaftsaufgabe
keinen Einbruch zuzulassen - weder in diesem noch in den nächsten Jahren.
Nach Abschluß der Privatisierung, der Aufholjagd bei Unternehmensneugründungen
und der Stabilisierung der industriellen Kerne müssen sich unsere
produzierenden Betriebe und Handelsbetriebe sowie ihre Dienstleister nun im
internationalen Wettbewerb behaupten. Wir erreichen dies über eine
langfristige Verbesserung und Neuausrichtung ihrer Rahmenbedingungen.
Die strategischen Ansatzpunkte sind dabei Forschung, Entwicklung und
Profilierung sowie die konsequente Vernetzung von Wissenschaft und Wirtschaft
zur Standortqualifizierung.
Grundlage dafür ist eine Hochschul- und Forschungslandschaft, deren
Lehr- und Forschungsschwerpunkte mit den sich entwickelnden Technologiefeldern
der Wirtschaft korrespondieren. Durch Konzentration im Bereich der
Fachhochschulen und in den technisch- naturwissenschaftlichen Studiengängen
werden wir durch eine deutlich anwendungsorientierte Ausrichtung in Lehre und
Forschung größere Synergieeffekte erzielen.
Wir wissen - wenn man mehr Ideen produzieren will, muß man in Köpfe
investieren; wenn aus den Ideen Produkte werden sollen, brauchen die Ideenträger
eine Chance:
Wir brauchen deshalb aus dem unmittelbaren Umfeld der regionalen
Fachhochschulen und Universitäten mehr erfolgreiche Existenzgründungen.
Erste, ganz speziell auf diesen Bereich zugeschnittene Projekte und Unterstützungsmaßnahmen
sind erfolgreich gestartet. Wir werden sie ausbauen und dazu allein im folgenden
Jahr Projektunterstützungsmittel für die Neugründungen in Höhe
von ca. 10 Mio DM zur Verfügung stellen.
Bei der Bereitstellung von Fördermitteln im Bereich Technologie benötigen
wir mehr Flexibilität, Effizienz und ein stärkeres Augenmerk auf die
Synergie von Wissenschaft und Wirt schaft. Dies wollen wir mit der Gründung
einer Technologiestiftung Brandenburg erreichen.
Wir brauchen ferner mehr private Kapitalgeber, für die es sich lohnt,
in Köpfe und Ideen zu investieren. Wir werden deshalb einen
Wagniskapitalfonds für Brandenburg initiieren. Mit dieser Fonds-Lösung
wollen wir privates Kapital aktivieren, um Existenzgründern, aber auch
expandierenden Technologiefirmen neue Perspektiven zu ermöglichen.
Daneben muß es aber auch auf Bundesebene zu einer Neuorientierung der
Steuerpolitik kommen. Denn es kann nicht sein, daß nur Investitionen in
Maschinenparks steuerliche Förde rung genießen, Investitionen in
qualifizierte Mitarbeiter aber schlechter gestellt werden. Deshalb fordern wir
die Bundesregierung nachdrücklich auf, die Vorschläge der Länder
im Bundesrat zur Verbesserung der Risikokapitalbildung im Rahmen der
Steuerreform endlich umzusetzen.
Ich denke, unsere bisherigen Initiativen zur Verzahnung von Wissenschaft und
Wirtschaft können sich sehen lassen: In Brandenburgs 18 Technologie- und Gründerzentren
arbeiten inzwischen mehr als 300 Unternehmen und 1.600 Mitarbeiter. Diese
Zentren sind Ausgangspunkte neuer innovativer industrieller Bereiche. So sind
aus dem Technologiezentrum in Teltow mehr als die Hälfte der
Innovationspreisträger Brandenburgs hervorgegangen. Ansätze, die
hoffnungsvoll stimmen.
Dennoch zwingt uns die Haushaltssituation in Brandenburg, auch die für
die Ansiedlungs-, Investitions- und Technologieförderung zur Verfügung
stehenden Mittel noch zielgenauer ein zusetzen und nur jene Bereiche zu fördern,
in denen wir uns den größten Erfolg versprechen. Auf folgende
Technologiebereiche werden wir uns stärker konzentrieren und in diesen die
bereits bestehenden Netzwerke von Wissenschaft und Wirtschaft ausbauen:
Medientechnologie
Einer dieser Bereiche ist die Medientechnologie. Diese längst nicht
mehr auf die traditionellen Standorte beschränkte Technologie wird immer
mehr zu einem Wirtschaftszweig, der vielver sprechende Optionen für
Brandenburg eröffnet.
In Potsdam-Babelsberg hat sich ein Medienzentrum entwickelt, mit dem wir
neue Arbeitsfelder erschließen konnten. Bis heute haben sich in Babelsberg
rund 90 meist kleine und kreative Unternehmen mit über 2.000 Beschäftigten
angesiedelt - und die Potentiale des Standorts sind bei weitem noch nicht
ausgeschöpft.
Der Landesregierung ist es gelungen, in Potsdam die Zentrale der E-Plus
Service Gesellschaft, des drittgrößten Mobilfunknetzbetreibers
Deutschlands, mit über 500 Mitarbeitern anzusiedeln.
Diese Schwerpunktsetzung findet in der Wissenschaftspolitik ihre
Entsprechung: An der Hoch schule für Film und Fernsehen in
Potsdam-Babelsberg werden in Anpassung an neue Arbeits- und Berufsfelder
zunehmend die neuen Medien und die damit verbundenen Technologien in die Lehre
einbezogen. Noch in diesem Jahr wird der Grundstein für das neue Gebäude
der Hochschule für Film und Fernsehen im Medienpark Babelsberg gelegt.
Verkehrstechnologie
Der zweite Bereich umfaßt die Verkehrstechnologie. In drei Zentren
haben wir die unterschiedlichen Bereiche der Verkehrstechnologie konzentriert:
Im Raum Hennigsdorf die Schienenverkehrstechnik und als notwendige Ergänzung
das zukünftige Bahnerprobungszen trum, in Dahlewitz und Ludwigsfelde den
Luftverkehr, und der Lausitzring bietet uns zu sätzliche Chancen bei der
Erprobung, Forschung und Entwicklung im Automobilbereich.
Die Verkehrstechnik ist beispielgebend für einen Prozeß, in dem
Berlin und Brandenburg zu einer Wirtschaftsregion zusammenwachsen. Deshalb gilt
unser besonderes Engagement weiterhin einem gezielten Ausbau der
Verkehrskompetenzzentren mit einer intensiven Vernetzung zu den
wissenschaftlichen Instituten in Brandenburg und Berlin.
Energie- und Umwelttechnologie
Auch in der Energie- und Umwelttechnologie stellt das Land Brandenburg seine
Kompetenz unter Beweis: Mit dem Energieressourcen-Institut Cottbus (ERI) verfügen
wir über ein innovatives Modell des Technologie- und Wissenstransfers. Es
organisiert die Zusammenarbeit von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik in den
Forschungsfeldern Energieressourcen, Ener gietechnologie und Energiemanagement.
Das Institut vermittelt den Anwendern in der Industrie und im öffentlichen
Sektor die Forscher, die für sie Problemlösungen entwickeln können.
Biotechnologie
Die Biotechnologie gehört zu den zukunftsträchtigen Schlüsseltechnologien.
Mit ihr werden wesentliche Beiträge für die Sicherung der Ernährungsbasis,
zum Schutz der Umwelt, zur Gesundheitsvorsorge und damit für die
wirtschaftliche Entwicklung wie für den Erhalt und die Schaffung neuer
Arbeitsplätze geleistet. Hier liegen wirkliche Chancen, und ich kann Ihnen
versichern, daß wir mit Risiken verantwortungsvoll umgehen.
Zentrales Projekt der Landesregierung ist der Aufbau des Wissenschaftsparks
Golm, in dem sich drei Institute der Max-Planck-Gesellschaft und eines der
Fraunhofer-Gesellschaft ansiedeln. Der erste Bauabschnitt für die Fächer
Biologie, Chemie und Ernährungswissenschaft soll bis 1999 abgeschlossen
sein. Insgesamt sollen in Golm etwa 1.300 Arbeitsplätze geschaffen werden.
Daneben entstehen an den Standorten Luckenwalde und Hermannswerder moderne
Zentren der biotechnologischen Forschung und vor allem neue Entwicklungsfirmen.
Halbleitertechnik in Frankfurt (Oder)
Abschließen möchte ich die Darstellung unserer technologischen
Schwerpunkte mit einem Projekt in der Oderregion. Es hat gute Chancen, der Kern
einer neuen Halbleiterindustrie im Oderraum zu werden und uns bei unseren
Ansiedlungsbemühungen insbesondere kleiner und mittlerer Unternehmen
entscheidend zu helfen: Die Landesregierung wird einen Neubau für das
Institut für Halbleiterphysik in Frankfurt (Oder) errichten. Kernstück
wird ein Reinst-Raum sein, der dem high-tech-Profil einer modernen Forschungs-
und Technologieeinrichtung gerecht wird. Er wird ein wichtiger Schritt zur Erhöhung
der industriellen Attraktivität der Region Frankfurt (Oder) und der
Konkurrenzfähigkeit bei der sich rasant entwickelnden Halbleitertechnologie
sein. Dieses Institut setzt zugleich ein positives Signal für den
Wiederaufbau der Oderregion.
2. Entwicklungslinie Kultur und Wirtschaft im Land - Den Kulturraum
Brandenburg in der Gegenwart gestalten und für die Zukunft bewahren.
Die zweite Linie zur Entwicklung Brandenburgs zielt darauf, durch Stärkung
der Kultur und der Wirtschaft im Land den Kulturraum Brandenburg zu gestalten,
um ihn für die Zukunft zu bewahren.
Denn charakteristisch für Brandenburg ist das Miteinander von ursprünglicher
Naturlandschaft, gestalteter Kulturlandschaft und landwirtschaftlichem
Wirtschaftsraum. Kulturlandschaften sind Erwerbsquelle, sind Lebensraum und
Heimat und haben deshalb wirtschaftliche und soziale Funktionen. Wir wollen sie
für die zukünftigen Generationen bewahren, indem wir mit den Menschen
diesen landwirtschaftlich geprägten Kulturraum entwickeln.
Land- und Forstwirtschaft
In der Agrar- und Ernährungswirtschaft in Brandenburg erwirtschaften
konkurrenzfähige und überdurchschnittlich produktive Unternehmen jährlich
6,6 Mrd. DM. Sie sind mit insgesamt ca. 46.000 Beschäftigten der größte
Arbeitgeber im ländlichen Raum.
Unsere Landwirte haben ihre Zukunftschancen erkannt, Produkte,
Produktionskapazitäten und Produktionsverfahren auf die Erfordernisse des
Marktes und die sich wandelnden Konsuminter essen einzurichten. Der
Brandenburger und Berliner Markt mit ca. 6 Mio. Verbrauchern ist der
Grundpfeiler der Absatzpolitik unserer Agrarwirtschaft. In zunehmendem Maße
ist auf Initiative einzelner Handelsketten in der Region eine direkte
Zusammenarbeit zwischen Erzeugern und Handel entstanden.
Auch mit der kontinuierlichen Förderung des Anbaues und der Verwertung
nachwachsender Rohstoffe nimmt Brandenburg im Bundesvergleich einen vorderen
Platz ein. Mit den Plattenwerken Wittstock und Beeskow und dem Sägewerk
Baruth haben sich zwei bedeutende Holzwerkstoffproduzenten und ein Verarbeiter
bereits angesiedelt. Wir bemühen uns darum, daß ein Zellstoffwerk in
Wittenberge hinzukommt. Den Aufbau von Betrieben der Flachs- und
Hanfverarbeitung, den Bau einer Anlage zur Herstellung von Biodiesel aus Rapsöl
und neue Produktentwicklungen aus Roggen für technische Zwecke wird die
Landesregierung weiter unterstützen.
Dennoch werden in Zukunft in der Landwirtschaft kaum neue Arbeitsplätze
in nennenswertem Umfang geschaffen werden können. Wir arbeiten deshalb
daran, jenen Menschen neue beruf liche Chancen zu eröffnen, für die
die Arbeit in der landwirtschaftlichen Produktion nicht mehr Haupterwerbsquelle
sein kann.
Tourismus
Der Tourismus bietet dafür die bedeutendste Entwicklungschance im ländlichen
Raum. In den letzten Jahren entstanden in diesem Bereich bereits mehrere
tausend neue Arbeitsplätze. Damit sich Brandenburg in diesem
Wachstumsmarkt, der selbst in der Zeit schwacher Konjunktur eine Verdoppelung
der Umsätze brachte, weiterhin entfalten kann, ist die Unterstützung
aller gefordert.
Stand in den Aufbaujahren dieser Branche die Erhöhung der Qualität
und Quantität in den Be herbergungsbetrieben im Vordergrund, werden zukünftig
der Ausbau der Infrastruktur und ein professionelleres Marketing Schwerpunkte
der Tourismuspolitik des Landes sein. Dabei sind die Berlinerinnen und Berliner,
die unser Land entdecken wollen, unsere wichtigsten Kunden.
Was wir brauchen, ist ein verzweigtes, gut ausgeschildertes Wanderwegenetz,
den Ausbau und die Verbindung von Radwegen sowie die Komplettierung des
Reitwegenetzes. Wichtig ist auch eine ausgebaute Infrastruktur im Wassersport
und mehr Freizeit- und Erholungsangebote auch im Herbst und im Winter.
Wassersport ist unsere Hauptattraktion in Brandenburg. Deshalb unterstützt
die Landesregierung ressortübergreifend und in Zusammenarbeit mit den
regional Verantwortlichen an den Haupt wasserrouten den Bau von Anlegestellen
sowie Versorgungs- und Entsorgungseinrichtungen. In der Entwicklung von
Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten besteht berechtigte Hoffnung auf eine
Belebung der Regionen und die weitere Ansiedlung von Kleingewerbe.
Von einer besseren Infrastruktur werden auch unsere Kur- und Erholungsorte
als hochwertige wirtschaftliche Bausteine im Tourismusangebot profitieren. Wir müssen
alle Anstrengungen unternehmen, um die gerade erst mit erheblichem finanziellen
Aufwand geschaffenen Strukturen zu stabilisieren und damit Arbeitsplätze in
großer Zahl zu erhalten. Die Kurkliniken sollten sich gleichzeitig bemühen,
etwa durch Angebote für Selbstzahler ihr Leistungsspektrum zu erweitern.
Der zweite Schwerpunkt in der touristischen Arbeit wird die Vermarktung
sein. Um die beste henden Marktchancen besser nutzen zu können, hat sich
die Landesregierung entschlossen, noch in diesem Jahr eine privatrechtlich
organisierte Marketinggesellschaft zu gründen, die vorhande ne Angebote bündeln,
zu Reisebausteinen zusammensetzen und in die Reisebüros bringen soll.
Kulturraum Brandenburg
Darüber hinaus werden die Jubiläen des Jahres 1998 den Menschen in
Brandenburg und seinen Gästen die vielfältigen kulturellen Traditionen
unseres Landes lebendig werden lassen. Der 100. Todestag Theodor Fontanes, das
900-jährige Bestehen des Zisterzienserordens, das 1050-jährige Jubiläum
der Gründung des reichsrechtlichen Territoriums Bistum Brandenburg, aber
auch Großveranstaltungen wie die EXPO 2000 oder die BUGA 2001 in Potsdam
werden ihren Teil dazu leisten, daß Brandenburg seinen Bekanntheitsgrad
steigern und weitere Arbeitsplätze in dieser personalintensiven Branche
geschaffen werden können.
Zur weiteren Verbesserung der kulturellen Angebote werden EU, Land und
Kommunen bis zum Jahr 2000 rund 250 Mio. DM mobilisieren. Ausgewählte
Vorhaben werden aus dem Kultur investitionsprogramm zur Verbesserung der
wirtschaftsnahen Infrastruktur im Kulturbereich und aus dem Fördermix
gemeinsam mit dem Landwirtschaftsministerium gefördert. Dazu gehören
neben den Kongreß- und Kulturzentren in Frankfurt (Oder) und Brandenburg
an der Havel das Dominikanerkloster in Prenzlau, das Stift Neuzelle und das
Freilichtmuseum in Altranft. Für die Restaurierung des Brandenburger Doms
stehen bereits über 20 Mio. DM aus verschiedenen Quellen zur Verfügung.
Damit ist die Wiege der Mark in ihrer historischen Gestalt auch für
kommende Generationen gesichert.
Naturschutz
Herausragende Bedeutung mißt die Landesregierung dem Naturschutz zu.
Naturschutz heißt für uns zugleich: Bewahrung des Reichtums an Arten
und Biotopen und Zukunft für die Menschen in ihrer Heimat. Unsere
Naturschutzpolitik in Brandenburg gilt als beispielhaft in der Bundesre publik,
weil sie bei uns nicht den Ausschluß des Menschen aus der Natur bedeutet,
sondern ihre Sicherung als Kultur-, Arbeits- und Lebensraum mit und für die
Menschen.
Dort, wo die natürlichen Bedingungen es nahelegen, erhalten wir mit
unserem Schutzgebiets konzept die soziale und ökologische Funktionsfähigkeit
der bandenburgischen Kulturlandschaf ten. Zugleich bewahren wir uns damit einen
wichtigen "weichen" Standortfaktor. Längerfristig gibt es keine
bessere Kapitalanlage und Zukunftsinvestition.
3. Entwicklungslinie räumliche Vernetzung - Die Räume des Landes
für den Wandel stärken - Region in Europa
Brandenburg ist ein dünn besiedeltes Flächenland an einer Außengrenze
der Europäischen Union. Zusammen mit Berlin bildet es die zukünftige
deutsche Hauptstadtregion. Die darin liegenden Chancen für alle Teile des
Landes zu realisieren, wird die Aufgabe der nächsten Jahr zehnte sein.
Die dritte Linie zur Entwicklung des Landes sehe ich deshalb in der Stärkung
der Regionen für den Wandel durch effektive kommunale, kulturelle und städtebauliche
Strukturen und die räumliche Vernetzung aller Teilräume. Dazu gehören
eine solidarische Landesentwicklung, die allen Teilräumen ihre spezifischen
Entwicklungschancen eröffnet, ebenso eine moderne Verkehrs- und
Kommunikationsinfrastruktur.
Wenn alle Regionen des Landes als lebenswerte und zukunftssichere Räume
erhalten bleiben sollen, dann müssen wir zunächst dazu beitragen, die
hohe Identifikation der Menschen mit ihrem unmittelbaren Lebensumfeld, ihren Dörfer
und Städten zu befestigen.
Dorf und Stadtentwicklung
Entscheidende Instrumente zur Stärkung dieser Identifikation sind die
Dorf- und Stadtentwick lung. Unsere Städte und Gemeinden müssen ein
neues gemeinschaftliches Selbstverständnis erhalten: Sie müssen der
Lebensmittelpunkt sein, der Arbeiten, Wohnen und Freizeit bestimmt.
Die vordringlichste Aufgabe in den kommenden Jahren heißt deshalb "Hinwendung
zu Innen stadt" und Stadtreparatur. Das Ziel "Stadtreparatur"
umfaßt aber nicht nur den Erhalt, sondern auch die städtebauliche Ergänzung.
Der Wohnungsneubau hat deshalb in den vergangenen zwei Jahren eine
Neuorientierung hin zu kleinteiligen Maßnahmen innerhalb der Städte
und Orte erfahren.
Mit unserer Politik der Stadtreparatur erzielen wir wirtschafts- und
arbeitsmarktpolitische Effekte in den Regionen, denn von den Neubau- und
Renovierungsmaßnahmen in den Städten profitiert überwiegend die
regional orientierte mittelständische Bauwirtschaft und der klein teilige
Einzelhandel ebenso wie die lokale Gastronomie.
Die Wohnungsbaupolitik des Landes Brandenburg war in der Vergangenheit überaus
erfolg reich: Wir alle wissen, daß es in den vergangenen Jahren einen
enormen Druck aus der Bevölke rung nach ausreichendem und gleichzeitig
bezahlbarem Wohnraum gab. Deshalb mußten zunächst neue Wohngebiete
ausgewiesen, erschlossen und bebaut werden, um den großen Nachholbedarf zu
befriedigen. Das Versprechen, mindestens 15.000 Wohnungen pro Jahr zu bauen,
haben wir nicht nur gehalten, sondern deutlich übertroffen. In den Jahren
1995 und 1996 wurden insgesamt 48.000 Wohnungen gebaut, davon rund 16.000 mit öffentlicher
Förderung.
Im nächsten Jahr werden wir weitere 2.500 Wohnungen im
Mietwohnungsbereich und die gleiche Zahl im Eigentumsbereich fördern. Und
zwar in beiden Förderwegen, weil wir nur so auf die unterschiedlichen
Einkommenssituationen und auf die Anforderungen der Investoren reagieren können.
Nicht zuletzt hat diese Politik dazu geführt, daß Brandenburg als
einziges neues Bundesland einen Wanderungsgewinn an Einwohnern verzeichnen kann.
Gerade aus Berlin sind viele Menschen nach Brandenburg gezogen. Wir werden auch
in der Zukunft der Partner von Berlin sein, wenn der Umzug der Bundeshauptstadt
ansteht. Hier übernehmen wir unseren Part als Teil der Hauptstadtregion und
freuen uns auf die Zuzugswilligen aus Bonn.
Kulturförderung
Ein wesentliches Element der Stadtentwicklung ist für mich die Kulturförderung:
als gesell schaftliche Selbstvergewisserung und identitätsbildende Kraft
ebenso wie als weicher Stand ortfaktor und Teil des Arbeitsmarktes. Sechs
Theaterstandorte mit festen Ensembles gibt es in Brandenburg, und sie sollen mit
den Kommunen gemeinsam erhalten werden. Brandenburg braucht seine Theater, sie
werden sich jedoch bis zur Jahrtausendwende weiter spezialisieren müssen.
Dies ist eine Chance zur schärferen Profilierung, gerade auch in Hinsicht
auf auswärtige Besucher. Die Landesregierung wird bis Ende dieses Jahres
mit allen Trägern Theaterverträge für die kommunalen Theater
abschließen. Sie werden die Entwicklungschancen der Theater standorte
verbessern. Meine Auffassung ist, daß dies angesichts der schwierigen
Haushalts situation am wirkungsvollsten durch bessere Arbeitsteilung gelingt.
Bis zum Ende dieser Legislaturperiode wird die Landesregierung eine
Kulturentwicklungs konzeption vorlegen. Sie wird darstellen, in welcher Weise
das Land in den ersten Jahren des nächsten Jahrtausends die Kultur als
einen der wesentlichen Bestandteile der Identität des Landes und seiner
Region erhalten und entwickeln will. Das besondere an diesem Vorhaben ist, daß
alle Landkreise, die kreisfreien Städte sowie viele kreisangehörige Städte
das Konzept mitgestalten können. Sie nehmen teil an dem von der
Landesregierung initiierten ABM-Pro gramm "Kommunale
Kulturentwicklungsplanung", und ich versichere Ihnen, diese kommunalen
Kulturentwicklungsplanungen werden die Basis für die Kulturkonzeption des
Landes Branden burg sein.
Stärkung der Kommunen
Kulturelles Leben und ein menschenfreundliches Stadtbild sind
Voraussetzungen, um die Menschen an ihren Ort zu binden. Doch die Identifikation
der Bürger mit ihrer Gemeinde wird ebenso entscheidend mitgeprägt von
deren Effizienz, Bürgerfreundlichkeit und der Funk tionsfähigkeit der
Verwaltung.
Mit der Neugliederung seiner Kreise und der Funktionalreform hat
sich Brandenburg leistungs starke Landkreise geschaffen, die ausgleichend
zwischen den Interessen der unterschiedlich entwickelten Regionen wirken. Für
die Zukunft aber müssen wir die Selbstverwaltung vor Ort weiter stärken.
Wir fördern deshalb freiwillige Zusammenschlüsse kleinerer Gemeinden
zu lei stungsfähigen amtsfreien Gemeinden, denn die Übertragung
weiterer Aufgaben auf die örtlichen Verwaltungen, die größere Bürgernähe
und Wirtschaftlichkeit ermöglichen könnte, setzt zunächst
Leistungsfähigkeit voraus. Übrigens erleben wir in der Oderregion in
diesen Tagen und Wochen, wie wichtig einerseits ehrenamtliche Bürgermeister
als Bezugspersonen, andererseits leistungsfähige kommunale Verwaltungen in
den Ämtern sind.
Ungeachtet der aktuellen Finanzprobleme steht fest: Die Gemeinden
und Landkreise benötigen für die Planung ihrer Einnahmen und Ausgaben
langfristige finanzielle Sicherheit. Wir wollen dies erreichen, indem wir die
Eckwerte für die Zuweisungen des Landes an die Kommunen künftig in
einem Finanzausgleichsgesetz festlegen.
Mit dem Jahr 1998 entwickeln sich - in Anwendung des Gleichmäßigkeitsgrundsatzes
- die Zuweisungen an die Kommunen mit den Landeseinnahmen. Für 1998
bedeutet dies zum ersten Mal einen Rückgang der Zuweisungen. Wir werden ihn
1998 jedoch teilweise ausgleichen, um die Belastung möglichst gering zu
halten. Die Investitionstätigkeit der Gemeinden wollen wir darüber
hinaus im nächsten Jahr mit 210 Mio. DM aus dem Fördermix-Programm
unterstützen. Wichtig ist auch, den rechtlichen Rahmen unserer gesamten
Verwaltung zu effektivieren, damit kostengünstiger zu gestalten und den Bedürfnissen
der Bürgerinnen und Bürger wie der Wirt schaft besser anzupassen.
Diesem Ziel ist die Entscheidung der Landesregierung verpflichtet, jene Normen
und Standards auf mögliche Reduzierungen hin zu überprüfen,
die die Kommunen am meisten belasten. Eine dafür eingesetzte Projektgruppe
hat eine Umfrage bei Kommunen, den kommunalen Spitzenverbänden und den
Fachressorts durchgeführt, um finanziell belastende Normen und Standards zu
ermitteln. Wir werden bei diesen Überlegungen aber immer auch die sinnvolle
Vereinfachung von Verwaltungsabläufen gegen den Zweck der Norm abzuwägen
haben, nämlich Sicherheit oder Gesundheit von Menschen zu schützen.
Sieben Jahre nach der Wende ist der Aufbau der Verwaltung in Brandenburg in
ein Stadium der Konsolidierung eingetreten. Die Mitarbeiter haben ihre
Erfahrungen aus unterschiedlichen Verwaltungs- und Gesellschaftssystemen gut
genutzt, um ein vergleichsweise flexibles und an den Bürgern orientiertes
Verwaltungssystem aufzubauen. Unsere Verwaltung ist jetzt funktions tüchtig
und deshalb in der Lage, ihre eigene Optimierung in Angriff zu nehmen und Fehler
und Schwächen, die die Aufbaujahre mit sich gebracht haben, zu beseitigen.
Unsere Verwaltungen können effektiver und effizienter, bürgernäher
und mitarbeiterfreundlicher werden. Voraussetzung ist, daß Veränderungen
von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mitgestaltet und mitgetragen werden -
ihre eigene Kritik gegenüber Aufgaben und Organisation ihrer
Verwaltungseinheit muß Antriebsmotor der Reform sein. Von diesem Prinzip
wird sich die Verwaltungsstrukturkommission leiten lassen, die ihre Arbeit
aufgenommen hat und gemeinsam mit den einzelnen Verwaltungen diese Aufgaben in
Angriff nimmt.
Ein Beitrag zur inneren Verwaltungsreform stellt der Ausbau eines
Landesdatennetzes dar. Er soll ermöglichen, daß Ämter und
Gemeinden die Anlaufstelle für alle Verwaltungsangelegenhei ten werden. Sie
sollen sich zu technisch leistungsfähigen und kompetenten Bürgerbüros
entwic keln, in denen versierte Mitarbeiter die Anliegen erledigen - egal, ob
die Bürger in Gemeinde-, Kreis- oder Landesangelegenheiten Hilfe brauchen.
Landesplanung
Was für die Identifikation der Bürgerinnen und Bürger mit
ihrer Gemeinde gilt, hat ebenso Bedeutung für die Identifikation der
Menschen mit ihrer Region. Unser Konzept der Landes entwicklung und
Landesplanung folgt deshalb dem Grundsatz, in allen Teilräumen des Landes
jene Entwicklungsmöglichkeiten zu unterstützen, in denen ihre Chancen
am größten sind.
Das Leitbild der dezentralen Konzentration hat sich als brauchbares
Instrument bewährt: Die Politik der Stärkung aller Regionen - immerhin
2/3 aller Arbeitsplätze des Landes wurden im äußeren
Entwicklungsraum stabilisiert oder neu geschaffen - hat den Trend der Bevölkerungs
abwanderung aus den entfernteren Landesteilen abgemildert. Gleichzeitig können
wir durch die prioritäre Entwicklung der regionalen Zentren die knappen
Mittel gerechter und gezielter einsetzen.
Vor kurzem habe ich mit dem Regierenden Bürgermeister von Berlin den
Staatsvertrag über das Gemeinsame Landesentwicklungsprogramm unterzeichnet.
Damit haben sich erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik zwei Länder
vertraglich geeinigt, ihre Raumordnung und Landesplanung nach gemeinsamen Grundsätzen
und in abgestimmten Verfahren zu entwickeln.
Regionalplanung und regionale Entwicklungskonzepte
Ich möchte in diesem Zusammenhang betonen, daß sich das Prinzip
der kommunal verfaßten Regionalplanung ebenfalls als richtige Entscheidung
erwiesen hat. Die Regionalen Planungsgemeinschaften integrieren die
unterschiedlichen Interessen der Kreise und schaffen damit letztlich ein Stück
regionalen Konsenses. Die Aufstellung der fünf Regionalpläne kommt gut
voran; die ersten Teilpläne von Oderland-Spree, Uckermark-Barnim und
Lausitz-Spreewald sind bereits genehmigt.
Braunkohleplanung und -Sanierung
Eine der wichtigsten Strukturentscheidungen war der Beschluß von
Landesregierung und Parlament, die Braunkohle weiterhin als wichtigsten
einheimischen Energieträger zu nutzen.
Gleichzeitig hat die Sanierung der Braunkohlefolgelandschaften immense
Bedeutung für den Strukturwandel in der Lausitz. In den schwierigen, aber
nun abgeschlossenen Verhandlungen mit dem Bund über die weitere
Finanzierung ging es um die Sicherung der Mittel, damit dieser Prozeß
nicht abreißt und die dort entstandenen Arbeitsplätze erhalten
bleiben.
Durch den Sanierungsbergbau werden im Zeitraum von 1998 bis 2002 im Land
Brandenburg ca. 5.000 Arbeitsplätze im regulären und öffentlich
geförderten Arbeitsmarkt gesichert. Möglich war das nur, weil das Land
tiefer als bisher in die Tasche gegriffen hat und nun 53 Mio. DM zusätzlich
und damit jährlich 133 Mio. DM aufbringt.
Verkehr
Basis der wirtschaftlichen Infrastruktur in einem dünnbesiedelten Flächenland
ist dessen verkehrstechnische Erschließung. Infrastrukturpolitik ist
Vorleistungspolitik und ein Stand ortfaktor für eine Region. Mit diesem
Angebot stehen wir in Konkurrenz zu anderen Regionen.
Wir alle wissen, Brandenburg hat ein gut dimensioniertes Straßennetz,
wir brauchen also keine zusätzlichen Straßen mehr; wichtig ist ihre
Verbesserung. Der Ausbau der Bundesstraßen und -autobahnen geht schnell
voran. Davon profitiert auch der Wirtschafts- und Personenverkehr des Landes
Brandenburg.
Die Situation der Landesstraßen ist allerdings problematischer. Hier
sind die zur Verfügung stehenden Landesmittel knapp. Die private
Finanzierung von Verkehrsprojekten kann im Ausnahmefall eine Alternative zur öffentlichen
Finanzierung werden.
Sicher liegt auch im Ausbau der Wasserstraßen ein kostengünstiger
und umweltgerechter Trans portweg, aber wir werden angesichts des
Oderhochwassers die ökologischen Folgen mensch licher Eingriffe in die
Natur noch genauer bedenken müssen und - eigentlich wie bisher schon -
unsere Ausbauziele daran ausrichten.
Daneben haben wir uns für den Transrapid entschieden, weil er das
verkehrstechnologische Profil des Landes stärkt, in seiner jetzigen
Konzeption in Brandenburg Arbeitsplätze schafft und ökologisch
vertretbar ist.
Und natürlich spielt auch der Luftverkehr für die wirtschaftliche
Entwicklung der Region eine bedeutende Rolle. Gemeinsam mit dem Bund und Berlin
wollen wir den Flughafen Berlin- Brandenburg-International möglichst
schnell fertigstellen lassen. Im September werden wir das Verfahren zur
Privatisierung des Flughafens BBI in Gang setzen. Unser Ziel ist es, in der
zweiten Jahreshälfte 1998 einen privaten Investor zu beteiligen, der dann
den Ausbau von Schönefeld vorantreibt.
Schließlich kommt dem Schienenpersonennahverkehr in unserer
Verkehrskonzeption eine besondere Bedeutung zu. 1994 hatten wir unser "Zielnetz
2000" vorgelegt. Dazu gehören: kurze Reisezeiten, dichte Taktfolgen,
saubere Züge und einladende Bahnhöfe. Genau diese Punkte haben wir in
den letzten Jahren vorantreiben können.
Stadtexpreß und Regionalbahn sind angepackt, Gebäude und Umfeld
von 24 Bahnhöfen werden die Bahn und das Land in Ordnung bringen. Gemeinsam
mit dem Land Berlin ist der Verkehrs verbund in Angriff genommen. Bei einem
solchen Großprojekt bleiben jedoch Probleme nicht aus. Ich möchte
hier nur die derzeitigen Abstimmungen über ein einheitliches Tarifsystem
nennen.
Kommunikationstechnologien
Zur Verdichtung der Räume nutzt das Land auch die Möglichkeiten
der neuen Informations- und Kommunikationstechnologien. Wir wollen damit die
Arbeit dorthin bringen, wo die Menschen leben, die Regionen entwickeln und die
Jugend auf die Wissensgesellschaft vorbereiten.
An vielen Orten im Land geschieht dies bereits erfolgreich:
Beispiel: Aufbau von Teledienstleistungszentren. In ihrer Förderpolitik
wird die Landes regierung einen Schwerpunkt auf die Ansiedlung von
Teledienstleistungsarbeitsplätzen und die Förderung der "Neuen
Selbständigkeit im Netz" legen. Schlüsselunternehmen der
Telekommunikation haben in diesem Bereich in den letzten vier Jahren über
1000 Arbeitsplätze neu angesiedelt. Um Arbeitsplätze wieder dorthin zu
bringen, wo die Menschen wohnen, fördert die Landesregierung gezielt
Telearbeitsplätze in ländlichen Regionen.
In zahlreichen Initiativen unternimmt die Landesregierung darüber
hinaus erhebliche An strengungen, um die Jugend auf die Informationsgesellschaft
vorzubereiten. Dazu gehört unter anderem die Aktion "Schulen ans Netz",
also die Schaffung von Internet-Anschlüssen für Schulen, sowie der
Aufbau von regionalen Medienkompetenzzentren.
Brandenburgs Weg in die Informationsgesellschaft hängt auch davon ab,
daß die Ideen von Unternehmen, öffentlichen Einrichtungen und vieler
einzelner verknüpft werden. Die Branden burger Informationsstrategie 2006
soll deshalb lokale und regionale Initiativen und Projekte initiieren,
koordinieren, motivieren und unterstützen.
Region in Europa
Zu Beginn des 21. Jahrhunderts müssen wir eine konkurrenzfähige
Region in der Mitte eines aufstrebenden, nach Osten erweiterten europäischen
Wirtschaftsraumes werden. Denn mit der geplanten Erweiterung der Europäischen
Union nach Osten wird unser Land noch mehr ins Zentrum Europas rücken.
Viele Menschen in Brandenburg sehen diese Entwicklung bisher mit gemischten
Gefühlen. Sie fragen sich: Welche Folgen hat dieses größere
Europa für unsere Arbeitsplätze, für unsere Sicherheit?
Nach meiner festen Überzeugung liegen in dem Prozeß der europäischen
Einigung für unser Land weit mehr Chancen als Risiken. Randregionen haben
in der europäischen Geschichte immer mehr Entwicklungsnachteile als
-vorteile gehabt; meistens hat sich gezeigt: Grenzen trennen und behindern
dauerhaften wirtschaftlichen Fortschritt.
Deshalb werden die ostdeutschen Länder - und unter ihnen Brandenburg -
von dem wirtschaftli chen Aufschwung profitieren, den die neuen EU-Mitglieder in
Mittelosteuropa erwarten. Denn erst wirtschaftlich erfolgreiche Nachbarn im
Osten ermöglichen uns, Absatzmärkte zu gewinnen.
Trotzdem nehmen wir die Sorgen vieler Menschen vor der bevorstehenden
Erweiterung der EU ernst. Ich meine jedoch, diese Sorgen sind unbegründet,
wenn während des Annäherungs prozesses der zukünftigen osteuropäischen
Mitglieder es nicht zu wirtschaftlichen Verwerfungen kommt. Darauf werden wir
hinwirken. Im Interesse der wirtschaftlichen Stabilität in den
Grenzregionen wird sich die Landesregierung insbesondere dafür einsetzen,
daß die Freizügig keit der Arbeitnehmer und die Öffnung im
landwirtschaftlichen Bereich erst nach Ablauf längerer Übergangsfristen
hergestellt werden.
Wirtschaftliche Stabilität ist auch der entscheidende Gesichtspunkt bei
der Einführung einer gemeinsamen Währung. Brandenburg hat der Einführung
eines stabilen Euros zugestimmt, denn er stärkt die europäische
Wettbewerbsfähigkeit und ist damit Voraussetzung für neue Arbeits plätze.
Die Stabilität des Euro ist aber unerläßlich, dafür gibt es
klare Vereinbarungen. Branden burg wird 1998 genau prüfen, ob die
Voraussetzungen vorliegen.
4. Entwicklungslinie Bildung-Ausbildung-Weiterbildung
Der größte Reichtum eines rohstoffarmen und schwach
industrialisierten Landes wie Branden burg sind die Menschen, die in ihm wohnen.
Damit diese Menschen auch in Zukunft dieses Land gestalten können, ist die
Ausbildung der zukünftigen Generation eine der wichtigsten
Herausforderungen der Landespolitik.
Schule
Für die Lehrerinnen und Lehrer dieses Landes waren die letzten Jahre
geprägt von den Unsi cherheiten der Wendezeit und den neuen Anforderungen
einer völlig veränderten Schule. Eine große Herausforderung
bleibt der Geburtenrückgang. Brandenburg hat im Bildungsbereich zur
Sicherung von Arbeitsplätzen Entscheidungen getroffen, die zu Teilzeitbeschäftigung
und erheblichem Druck auf den Lehrerstellenplan des Landes führten.
Gute Bildung fängt in der einzelnen Schule an. Das Landesschulgesetz
hat die Voraussetzungen dafür geschaffen, daß Schulen sich ein
eigenes Programm geben können, damit Lehrerinnen und Lehrer sich mit
Eltern, Schülerinnen und Schülern über das besondere Profil der
Schule ver ständigen können. Wichtig dabei ist, daß die Qualität
von Bildung im Mittelpunkt steht.
Die Voraussetzungen für diese Aufgabe müssen wir weiter
verbessern. Dazu gehört einmal die Weiterbildung der Lehrkräfte. Die
Weiterführung des Sonderprogrammes für 3.000 Absolven tinnen und
Absolventen ist dabei ein Punkt. Der andere ist das Offenhalten eines
Einstellungs korridors für junge Lehrerinnen und Lehrer. Dies bedingt
weiterhin die Solidarität der Lehr kräfte.
Daneben werden wir die Gleichstellung der Lehrerinnen und Lehrer mit Lehrbefähigung
nach DDR-Recht fortführen. Wir werden den Landespersonalausschuß
bitten, durch geeignete Maßnahmen hierfür die Voraussetzungen zu
schaffen.
Ebenso wichtig sind zukunftsorientierte Bildungsangebote und
Unterrichtsformen. Dazu gehören eine Intensivierung des
Fremdsprachenunterrichts ebenso wie der gemeinsame Unterricht von deutschen und
polnischen Kindern in der Grenzregion, dazu gehört der gemeinsame
Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderungen als das Prinzip des Lernens in
gesellschaftlicher Solidarität. Und dazu gehört schließlich auch
die schulische Infrastruktur: Die Schulbausubstanz des Landes war nach
jahrzehntelanger Vernachlässigung in einem Zustand, dem auch ein groß
angelegtes Schulbauprogramm des Landes nicht kurzfristig abhelfen konnte. Wir
sind hier weiter in der Pflicht.
Aufgrund des Geburtenrückgangs können Schulschließungen
nicht vollständig vermieden werden. Demgegenüber ist das Modell der "Kleinen
Grundschule" ein sinnvoller Lösungsansatz. Wichtig bleibt die möglichst
wohnortnahe Beschulung, und wenn dabei gleichzeitig die Qualität von
Bildung und Erziehung gesichert werden, hat dieser Ansatz meine volle Unterstützung.
Ich füge hier an, daß uns das Urteil des
Landesverfassungsgerichts in der Frage der Schul entwicklungsplanung aufgegeben
hat, die Vorstellungen der einzelnen Gemeinden in den Abwägungsprozeß
einzubeziehen. Wir werden diese Verpflichtung erfüllen.
Berufsbildung
Unsere ganz besondere Aufmerksamkeit gilt der beruflichen Entwicklung
unserer Jugend. Mein erklärtes Ziel war und bleibt es, daß für
jeden Jugendlichen in Brandenburg, der dies wünscht, ein Ausbildungsplatz
bereitsteht.
Ich betone, daß dies ebenso vorrangig Aufgabe der Wirtschaft bleiben
muß wie die Regel des dualen Systems der beruflichen Erstausbildung.
Ich möchte an dieser Stelle den Vertretern der Wirtschaft, den
Unternehmern, den Handwerks meistern, den Vertretern der Kammern für ihre
bisherigen Anstrengungen bei der Sicherung der notwendigen Ausbildungsplätze
danken und zugleich an Sie appellieren, Ihrer Verantwortung noch stärker
nachzukommen.
Bei allem Bemühen ist in den vergangenen Jahren angesichts wachsender
Schulabgängerzahlen und der schwierigen Prozesse der wirtschaftlichen
Umstrukturierung ein Defizit an betrieblichen Ausbildungsplätzen gegenüber
der enorm gewachsenen Nachfrage entstanden. Dieses Defizit wird in den kommenden
Jahren bis 2004 eher noch zunehmen.
Deshalb hat es sich die Landesregierung zur Aufgabe gemacht, die
betriebliche Berufsaus bildung durch besondere Aktivitäten und Förderprogramme
des Landes zu unterstützen. Dazu gehört die Förderung von
Ausbildungsverbünden, die dazu dienen sollen, auch den kleinen und
mittleren Betrieben, die nicht alle Ausbildungsabschnitte selbst durchführen
können, den Einstieg in die Ausbildung zu ermöglichen. Schließlich
zählt dazu auch die Bereitstellung finanzieller Mittel für überbetriebliche
Lehrgänge des Handwerks und der Aufbau überbetriebli cher Bildungsstätten
für die betriebliche Ausbildung.
Im Zeitraum 1993 bis 1996 hat die Landesregierung die berufliche
Erstausbildung mit insgesamt rund 370 Mio. DM aus Landes- und EU-Mitteln gefördert.
Für das Jahr 1997 sind insgesamt 125 Mio. DM bereitgestellt. Das ist eine
gewaltige finanzielle Leistung angesichts der immer schwierigeren Haushaltslage
im Land.
In den Jahren 1997 und 1998 werden wir eine Ausbildungslücke in einer
Größenordnung von 6.000 bis 7.000 fehlenden Plätzen haben.
Deshalb wollen wir zunächst das gemeinsam von Bund und Land beschlossene
Aktionsprogramm Lehrstellen Ost 1997 realisieren, für das sich die
Landesregierung Brandenburg gemeinsam mit den anderen ostdeutschen Bundesländern
stark gemacht hat. Nach diesem Programm können insgesamt 3.116 Plätze
in Brandenburg gefördert werden.
Und wenn sich Anfang Oktober abzeichnet, daß noch immer Jugendliche
als unvermittelte Bewerber bei den Arbeitsämtern gemeldet sind, gehen wir
den zweiten Schritt: Das Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und
Frauen wird der Bundesregierung ein gemeinsames Ergänzungsprogramm zur
Schließung der Ausbildungsplatzlücke vorschlagen.
Dabei sind es die Oberstufenzentren, die in der Berufsausbildung eine immer
größere Rolle spielen. Bis 1999 werden in Brandenburg insgesamt 18
Bauvorhaben an Oberstufenzentren fertiggestellt und 430 Mio. DM in diesem
Bereich investiert sein. Wir werden in der 2. Hälfte der Legislaturperiode über
die Fortsetzung des Programms ab dem Jahr 1999 entscheiden müssen.
Hochschulen
Die Berufs- und Zukunftsorientierung, die für die Schul- und die
Lehrausbildung gilt, bestimmt auch unsere Hochschulentwicklungsplanung:
Gemeinsam mit den Universitäten und Fachhoch schulen entwickeln wir eine
Hochschulausbildung, die deutlich berufsorientiert und schwer punktmäßig
auf Berufsbilder mit Zukunftschancen ausgerichtet ist. Unsere akademischen
Bildungseinrichtungen stellen deshalb einen Standortfaktor für
Unternehmensansiedlungen dar und üben eine wichtige Funktion als
Impulsgeber für die Landesentwicklung aus.
Diese Schwerpunktsetzung werden wir auch unter den schwierigeren
finanziellen Bedingungen aufrecht erhalten. Der Hochschulentwicklungsplan der
Landesregierung gibt den brandenbur gischen Hochschulen auf der Grundlage eines
jährlichen Investitionsvolumens von 205 Mio. DM Planungssicherheit und
erbringt die unausweichliche Einsparung durch Schärfung ihrer jeweiligen
fachlichen Profile:
Das Ausstattungsniveau der Universität Potsdam mit 190 Professuren
erlaubt die Profilierung gegenüber den Berliner Hochschulen in sinnvollen
Schwerpunktbereichen. Die Brandenburgi sche Technische Universität Cottbus
ist in Brandenburg der wichtigste Partner der Wirtschaft für technische und
technologische Innovationen. Die Europa-Universität Viadrina in Frankfurt
(Oder) erhält ihre Bedeutung aus ihrer internationalen Ausrichtung von
Lehre, Studium und Forschung, und die einzige künstlerische Hochschule des
Landes, die Hochschule für Film und Fernsehen Potsdam-Babelsberg, mit ihren
film- und fernsehkünstlerischen wie medienwissen schaftlichen
Ausbildungsrichtungen stellt einen wichtigen Faktor für die Entwicklung der
Medienwirtschaft im Lande dar.
Das dritte Standbein neben Universitäten und künstlerischer
Hochschule, die Fachhochschulen, werden wir noch stärken. Schon jetzt
liegen wir mit einem Anteil von 31% unserer Studienplätze in diesem
Ausbildungsgang weit über dem Bundesdurchschnitt.
Diese fünf Fachhochschulen bilden praxisnah aus und stellen
insbesondere für die regionalen Klein- und Mittelunternehmen wichtige
Partner beim Innovations- und Technologietransfer und in der Weiterbildung dar.
Ich begrüße die Einigung von Bund und Ländern auf die Reform
des Hochschulrechts; sie eröffnet Ländern und Hochschuleinrichtungen
die Chance auf mehr Gestaltungsspielraum und auf größere
internationale Öffnung der Hochschulen. Wir haben unser
Landeshochschulgesetz bereits im Sinne dieser neuen Ansätze überarbeitet;
der Referentenentwurf wird den Hoch schulen in Kürze übergeben.
Dabei sollen die Hochschulen durch mehr Selbstverantwortung für ihre
Hochschulhaushalte und durch moderne Leitungsstrukturen fit gemacht werden für
kommende Herausforderungen und für den Wettbewerb um Hochschullehrer,
Studenten und Drittmittel.
5. Entwicklungslinie: Innerer Frieden- Rechtsstaat- solidarische
Arbeits- und Sozialpolitik
Gerade in Situationen sozialer und wirtschaftlicher Veränderungen muß
sich der Zusammenhalt einer Gesellschaft, ihre soziale Kompetenz und die
Stabilität ihres Wertesystems unter Beweis stellen. Eine Demokratie ist nur
so weit sozial gefestigt, wie sie Verantwortung übernimmt, alle ihre
Mitglieder in den Wandel der Gesellschaft mitzunehmen. Deshalb ist das nur
scheinbar altmodische Wort Solidarität ein Aufruf an jeden einzelnen Bürger:
Hilf denen, die Hilfe brauchen. Wir werden es gemeinsam schaffen oder überhaupt
nicht. Keine Gesellschaft ist funktionsfähig, wenn sie aus Wohlstandsinseln
besteht, die umgeben sind von Regionen mit hoher Arbeitslosigkeit, steigender
Armut und fehlender wirtschaftlicher Entwicklung. Keine humane Gesellschaft kann
dies wollen und wir in Brandenburg wollen es schon gar nicht!
Die fünfte Entwicklungslinie zur Neubestimmung des Brandenburger Weges
führt deshalb über eine Politik der Solidarität, den inneren
Frieden und die Rechtsstaatlichkeit als Garanten gesellschaftlicher Stabilität.
An der Oder haben wir gerade erlebt, in welchem Maße Menschen
zusammenrücken können, wieviel Hilfsbereitschaft in einer aktuell
dramatischen Situation vorhanden ist. Aber täuschen wir uns nicht: Die
wachsende Arbeitslosigkeit und die zunehmende Armut sind ebenso drama tisch und
bedürfen langfristig unserer gemeinsamen Anstrengung.
Für eine solidarische Politik ist der Staat in der Pflicht. Er muß
die Weichen stellen und den Rahmen abstecken. Ich warne in diesem Zusammenhang
davor, dies bei der Diskussion über den Rückzug des Staates aus den
Augen zu verlieren. Nur der Wohlhabende kann sich einen armen Staat leisten und
nur der Starke einen schwachen Staat. Die anderen erwarten Antworten von uns,
wie wir nicht vom Markt honorierte Leistungen entgelten und wie wir dazu
beitragen, daß beim Aufbruch in die Zukunft nicht zu viele am Wegesrand
liegen bleiben.
Anspruch auf Antwort haben die Menschen, die für ihre bereits erbrachte
Lebensleistung zurecht die Anerkennung der Gesellschaft erwarten, wenn sie alt
oder krank sind. Antwort erwarten jene Menschen, die durch Behinderung nicht in
der Lage sind, ihr eigenes Leben allein zu meistern. Und Antwort erwarten
diejenigen, die als Mütter, Altenpfleger oder ehrenamtliche Helfer
unverzichtbare gesellschaftliche Leistungen erbringen, ohne daß der Markt
dafür eine Ent lohnung bereithält.
Eine der wichtigsten Aufgaben unserer Politik bleibt es deshalb,
Rahmenbedingungen dafür aufzustellen, daß wichtige gesellschaftliche
Leistungen weiterhin erbracht, honoriert - und vor allem ohne Angst und Scham in
Anspruch genommen werden können.
Arbeit
Dies gilt besonders auch für Menschen ohne Arbeit. Wir haben in
mittelständischen Firmen, bei Dienstleistern und im Handwerk viele neue
Arbeitsplätze schaffen können, den strukturbeding ten Abbau von
Arbeitsplätzen aber konnten wir noch nicht stoppen. Hierfür bedarf es
neuer Wege.
Das Wirtschaftsministerium beginnt beispielsweise bereits in diesem Jahr
zusammen mit dem Arbeits- und dem Wissenschaftsministerium eine Initiative "Arbeit
durch Innovation".
Wenn wir nicht zulassen wollen, daß in Brandenburg über 200.000
Menschen nicht arbeiten können, während gleichzeitig in der
Jugendhilfe, in der sozialen Betreuung, in der Kulturarbeit und in vielen
anderen Bereichen wichtige Arbeiten unerledigt bleiben, dann muß es uns
gelin gen, unverzichtbare gesellschaftliche Aufgaben so zu organisieren und zu
finanzieren, daß mit ihnen jene Menschen wieder in die Mitte der
Gesellschaft zurückgeholt werden, die auf abseh bare Zeit keine
Erwerbsarbeit finden können.
Den krönenden Lösungsweg dafür haben wir noch nicht gefunden;
ihn mit dem Bund und den anderen Ländern gemeinsam zu finden, wird eine
wichtige Aufgabe in der Zukunft sein.
Die Landesregierung hält mit ihrem Programm "Qualifizierung und
Arbeit für Brandenburg" an ihren Leitlinien der Arbeitsförderung
fest: Förderung regionaler Initiativen, wirtschaftsnahe Qualifizierung,
Initiativen contra Langzeitarbeitslosigkeit sowie Bindung der Mittel der Bundes
anstalt für Arbeit durch Gewährung der notwendigen Ergänzungsfinanzierung.
Um die Ziele der Brandenburger Arbeitsmarktpolitik zu erreichen, müssen
wir zudem die verschiedenen Fördermittel im Land, bei Bund und EU wirksamer
als zuvor miteinander verzahnen. Ein Beispiel für eine erfolgreiche
Umsetzung dieses Gedankens ist die gemeinsame Richtlinie von fünf
Landesressorts zur Förderung von Umweltmaßnahmen im Rahmen des §249h
AFG. Ein Schwerpunkt in der Arbeitsförderung des Landes bleibt darüber
hinaus die Unterstützung Langzeitarbeitsloser:
- Mit der Entwicklung des Kurssystems gegen Langzeitarbeitslosigkeit hat
Brandenburg einen eigenständigen neuen Ansatz entwickelt. Derzeit werden an
22 Standorten jährlich rund 8.000 Arbeitslose aus Mitteln des ESF und des
Landes gefördert. Mehr als 30 % der Teilnehmer sind nach Abschluß
ihrer Maßnahme nicht mehr arbeitslos.
- Aus dem Programm "Arbeit statt Sozialhilfe" erhalten nach
Aufstockung der Mittel aus dem ESF im Jahr 1997 um mehr als 20 % rund 2.500
Sozialhilfeempfänger durch dieses Programm eine Chance auf Arbeit.
- Seit 1991 fördert das Land die individuelle Beratung
langzeitarbeitsloser Arbeitnehmer, die von - zur Zeit - 51 geförderten
Arbeitsloseneinrichtungen angeboten wurden.
Die Mehrzahl der Arbeitslosen sind Frauen. Hier muß deshalb ein
Schwerpunkt unserer Be schäftigungsförderung liegen. Diesem Ziel dient
einerseits das Landesgleichstellungsgesetz mit der Frauenförderverordnung,
andererseits die besondere Berücksichtigung von Frauen in beschäftigungsfördernden
Maßnahmen.
In den Bereichen, in denen die Landesregierung zuständig ist, werden
bereits jetzt in einem breiten Umfang Teilzeitarbeitsmodelle praktiziert, um
Arbeitsplätze zu sichern und den Weg in den Beruf für junge Menschen
offen zu halten. Mein Dank geht an dieser Stelle noch einmal an die vielen
Lehrerinnen und Lehrer, die Einkommensverzicht üben, um anderen die
Arbeitslosig keit zu ersparen. Das ist beispielhaft!
Das Ziel, solche Teilzeitmodelle auch im Beamtenbereich praktizieren zu können,
verfolgen wir weiter. Wir werden deshalb vorschlagen, unser Landesbeamtengesetz
so zu ändern, daß neben Angestellten und Arbeitern auch Beamte im
Wege der solidarischen Verteilung der vorhandenen Arbeit dazu beitragen können,
eine schwierige arbeitsmarktpolitische Lage zu bewältigen. Wir wollen neue
Wege eröffnen, Arbeit zu verteilen. Es kann nicht angehen, daß die
Probleme des Arbeitsmarktes nur von Angestellten und Arbeitern bewältigt
werden und Beamte davon weitgehend ausgeklammert bleiben.
Soziales Engagement
Viele Menschen sind in Brandenburg in Selbsthilfegruppen, in Verbänden
und Vereinen aktiv; sie leisten ehrenamtlich unverzichtbare Hilfe für
andere. Die Anerkennung und die Förderung solcher Leistungen -
beispielsweise durch die "Richtlinie 55-Aufwärts" für
besonders aktive Senioren - ist Ausdruck unserer Wertschätzung für
dieses Engagement.
Gesundheit und Alter
Unsere Verantwortung für die Gemeinschaft schließt insbesondere
die kranken, alten und behin derten Menschen ein. Dies steht auch in
wirtschaftlich schwierigen Situationen nicht zur Disposition. Unsere
Krankenhaus-, Altenheim- und Pflegeheimprogramme werden bundesweit als
vorbildlich angesehen. Sie sorgen für eine gute stationäre
medizinische Versorgung in allen Teilen des Landes und setzen den erfolgreichen
Aufbau eines Netzes von Alten- und Behin derteneinrichtungen fort, deren
Konzeption auf Dezentralisierung, gesellschaftliche Integration und größtmögliche
Selbstbestimmung beruht.
Diese Programme haben ein Gesamtvolumen von ca. 7. Mrd. DM. Damit werden in
erheblichem Umfang Arbeitsplätze nicht nur gesichert, sondern auch
geschaffen, denn das Gesundheits- und Sozialwesen ist ein Wirtschaftszweig mit
erheblichem Wachtsumspotential. Insofern ist Gesundheits- und Sozialpolitik
zugleich aktive Beschäftigungspolitik von kaum zu unter schätzender
regionalwirtschaftlicher Bedeutung.
Jugend
Unter denen, die unsere Solidarität in besonderem Maße brauchen,
sind viele junge Menschen. Sie sind verunsichert, weil sie - oft ohne berufliche
Ausbildung und mit unklaren Zukunftsaus sichten - in der sich wandelnden
Gesellschaft ihren Platz nur schwer finden. Ihnen müssen wir helfen, bevor
sie sich von der Gesellschaft abwenden.
Denn Orientierungslosigkeit ist häufig genug auch der Grund für
jugendliche Gewalt. Wollen wir hier den Anfängen wehren, müssen wir
ihre Ursachen anpacken. Das heißt einmal, die jungen Menschen bei der
Gestaltung ihrer beruflichen Zukunft unterstützen; wir müssen zum
anderen aber auch dazu beitragen, daß sie in einem selbstgestalteten
Lebensumfeld soziale Kompetenz erwerben. Trotz aller finanziellen Engpässe
unterstützen wir gemeinsam mit den Kommunen die Jugendfreizeiteinrichtungen
auf kommunaler Ebene.
Insbesondere die vier großen Einrichtungen in Ballungszentren werden
vom Land gefördert, damit offene Räume eigenverantwortlicher Betätigung
von Jugendlichen für deren individuelle Entwicklung genutzt werden können.
Recht und Sicherheit
Ein wirkungsvolles Netz sozialer Stabilisierungsmaßnahmen kann
rechtsstaatliche Prävention gleichwohl nicht ersetzen. Neben dem Umbruch in
vielen gesellschaftlichen Bereichen, in der Wirtschaft und der Arbeitswelt,
verunsichern Kriminalität und Gewalt viele Menschen. Ange sichts großer
sozialer und wirtschaftlicher Veränderungen ist die Stabilität des
Sicherheits- und Rechtssystems deshalb von großer Bedeutung.
Innere Sicherheit spielt im Bewußtsein und im täglichen Leben der
Bürgerinnen und Bürger eine besondere Rolle. Mit dem Konzept zum
Inneren Frieden und zur Inneren Sicherheit hat die Landesregierung der
polizeilichen Arbeit einen erfolgversprechenden Rahmen gegeben.
Die Eigentumskriminalität und die Verkehrsunfallsituation sind
weiterhin große Herausforde rungen für die Polizei. Die Entwicklung
der Aufklärungsquote zeigt aber, daß die Arbeit der Polizei
erfolgreich ist.
Dennoch bleibt die Bekämpfung von Gewaltkriminalität,
Rechtsextremismus und Fremdenfeind lichkeit eine vordringliche Aufgabe. Der Prävention
kommt dabei eine besondere Bedeutung zu.
Eine wirksame Vorbeugung scheint nach allen Erfahrungen aus dem In- und
Ausland nur möglich, wenn sie von der Gesellschaft betrieben wird. Deshalb
hat die Landesregierung Repräsentanten gesellschaftlich bedeutsamer Kräfte
in Brandenburg zur Bildung des "Aktions bündnisses gegen Gewalt,
Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit" aufgerufen, das sich am 22. Mai
diesen Jahres konstituiert hat.
Für diejenigen aber, die andere Menschen durch Gewalt oder
Diskriminierung in ihrer Gesund heit und Menschenwürde verletzen, gibt es
keine Entschuldigung; sie müssen wissen, daß sie harte Strafen
treffen. Sie treten nicht nur die Menschenwürde mit Füßen und fügen
ihren Opfern oft nicht wiedergutzumachendes Leid zu - sie sind eine Schande für
unser Land.
Besonders gegen fremdenfeindlich motivierte Gewalt setzen unsere
Strafverfolgungsbehörden und Gerichte deshalb deutliche Schwerpunkte bei
der Kriminalitätsbekämpfung und reagieren hier mit Entschiedenheit.
Die Verkürzung der Verfahrensdauer, die dafür sorgt, daß der Tat
die Strafe auf dem Fuße folgt, beginnt gerade bei diesen Gewalttaten zu
greifen.
Zugleich kommt es darauf an, das Konzept des modernen Strafvollzuges fortzuführen
und dadurch die Chancen auf eine Resozialisierung zu erhöhen. Dazu gehört
neben der Ausweitung der schulischen und beruflichen Bildungsangebote die
Verbesserung der Arbeitsmöglichkeiten für Gefangene.
Dennoch ist es ein gutes Zeichen zunehmenden Vertrauens in die neue Rechts-
und Gesell schaftsordnung, daß die Bürgerinnen und Bürger
Brandenburgs diesen Rechtsstaat mehr und mehr in die Pflicht nehmen. Sie
erwarten von ihm soziale Gerechtigkeit, die Sicherung ihrer Freiheiten,
Rechtssicherheit und effektiven Schutz vor Benachteiligung und materiellem
Unrecht.
Und sie erwarten dies - mit Recht - möglichst schnell. Dieser Anspruch
läßt sich nicht immer sofort einlösen. Wir wissen, daß es
in der Gerichtsbarkeit berechtigte Klagen über lange Verfah rensdauer und
steigende Rückstände gibt. Dem müssen wir - insbesondere durch
verbesserte Organisation - entgegenwirken. Aber auch wenn wir die innere
Organisation modernisieren und die Strukturen verbessern, wird das - da wir uns
zusätzliches Personal nicht leisten können - nicht leicht sein.
Zusammen mit anderen Bundesländern prüfen wir Möglichkeiten
der Vereinfachung von Gerichtsverfahren; ein entsprechender Gesetzesentwurf zur
Beschleunigung von Zivilverfahren liegt dem Bundestag bereits vor. Wir wollen
damit auch mit schnellen Entscheidungen gegen säumige Zahler erreichen, daß
unsere klein- und mittelständischen Unternehmen nicht gefährdet
werden.
Der Brandenburger Weg - Aufgabe, Heimat und Zukunft für die
Menschen in ihrem Land
Ich habe Ihnen Politikbereiche, Projekte und Programme der Landesregierung für
die kommen den Jahre vorgestellt.
Entlang der fünf Entwicklungslinien wird die brandenburgische
Landesregierung ihre politische Arbeit fortsetzen - dies ist der Brandenburger
Weg. Weil die vor uns liegenden Jahre nicht einfacher werden, bietet er nach
meiner Überzeugung die größten Chancen, daß dieses Land
den Strukturwandel erfolgreich besteht.
Brandenburg wird einen offenen Weg gehen, bei dem wir uns auch Sachverstand
von außen hinzuholen. Auf meine Initiative hat sich deshalb eine Gruppe
von wissenschaftlich und fachlich ausgewiesenen Persönlichkeiten zu einem "Forum
Zukunft Brandenburg 2025" zusammenge funden. Es möchte in fünf
offenen Veranstaltungen eine breite öffentliche Diskussion über die
Entwicklungsmöglichkeiten des Metropolenraumes Berlin-Brandenburg in den nächsten
Jahrzehnten in Gang setzen und daraus Handlungsempfehlungen für die Politik
erarbeiten. Vielleicht ergeben sich daraus neue Ansätze auch für die
Zusammenarbeit mit Berlin.
Wir haben den Brandenburger Weg aus den spezifischen Verhältnissen des
Landes entwickelt. Er ist keine Kopie und hat auch nichts mit irgendeiner
Nostalgie zu tun: Er verirrt sich nicht in unreflektierter Anpassung an überholte
Strukturen, noch führt er über den verklärenden Blick zurück
ins Abseits. Er läßt vielmehr genug Raum für die Entfaltung der
charakteristischen Eigenheiten dieses Landes; er weist Wege für die Stärken
der Regionen und - was das Wichtig ste ist -, er gibt den Menschen Aufgabe,
Heimat und Zukunft in ihrem Land.
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