Rede des Ministerpräsidenten des Landes Brandenburg, Manfred Stolpe, anläßlich der Einweihung der Neubauten des Geoforschungszentrums Potsdam (GFZ) am 2. Juni 1998, 10.00 Uhr, auf dem Potsdamer Telegrafenberg
 

Forschungsstandort Telegrafenberg wächst weiter

Vier Jahrzehnte der deutschen Trennung haben unser Wissen übereinander sehr verringert. Inzwischen haben wir auf beiden Seiten viel dazu gelernt. Dennoch besteht noch immer ein gewisser Nachholbedarf. So ist auch heute keineswegs allgemein bekannt, daß der Potsdamer Telegrafenberg in Fortsetzung einer Tradition, die weit in das 19. Jahrhundert zurückreicht, einer der bedeutendsten Wissenschaftsstandorte in Deutschland ist. Ganz anders aber ist das bei den Geoforschern. Wo auch immer man sich der Erkundung der Erde verschrieben hat, überall gilt den Experten das Geoforschungszentrum auf dem Potsdamer Telegrafenberg als eine der weltweit wichtigsten Forschungsstätten.

Das am 1. Januar 1992 gegründete GFZ ist als eine der 16 Großforschungseinrichtungen in Deutschland ein Leuchtturm der brandenburgischen, der deutschen, ja der europäischen Wissenschaftslandschaft. In bewußter Anknüpfung an die historische Entwicklung ist das GFZ die weltweit erste Institution, die alle geowissenschaftlichen Forschungszweige in einem fachübergreifenden Forschungsverbund zusammenfaßt.

An der Schwelle zum 21. Jahrhundert ist das allen Disziplinen gemeinsame Ziel der Geowissenschaften, die Erde als Lebensraum des Menschen zu verstehen, zu nutzen und zu schützen, ein Thema von existenzieller und globaler Bedeutung. Vorsorge und Schutz, ob vor den Konsequenzen natürlicher Ereignisse oder den Folgen menschlicher Eingriffe in das "System Erde", setzen ein umfassendes Verständnis des Systems voraus.

Wie alle ostdeutschen Bundesländer stand Brandenburg nach seiner Wiedergründung 1990 vor der gewaltigen Herausforderung, aus dem Stand den Auf- und Ausbau von Hochschulen und Forschungseinrichtungen zu organisieren. Mit drei Universitäten und fünf Fachhochschulen, ihren An-Instituten sowie Innovationskollegs, mit sieben Technologie- und Gründerzentren, mit fünf Bundesforschungsanstalten, mit 21 vom Bund und vom Land finanzierten Forschungsinstituten bzw. Außenstellen, mit neun landesfinanzierten Forschungseinrichtungen und zahlreichen privatwirtschaftlichen Forschungsbetrieben verfügt Brandenburg heute über eine regional und strukturell ausgewogene Wissenschaftslandschaft. Wir sind dem Bund und Ihnen, Herr Bundesminister, für tatkräftige und verläßliche Hilfe dankbar.

Auch in Zeiten knapper Kassen werden wir den Bestand und Ausbau dieser Einrichtungen weiter unterstützen. Denn jede im Wissenschafts-, Forschungs- und Technologiebereich ausgegebene Mark ist eine Investition in die Zukunft. Und wir wissen: Die Forscherinnen und Forscher von heute schaffen die Voraussetzungen für die Entwicklung von morgen, unsere Hochschulen und Forschungseinrichtungen sind die Basis für die wirtschaftliche, arbeitsmarkt- und sozialpolitische Zukunft des Landes. Schwerpunkte setzen wird die Landesregierung beim weiteren Ausbau der Hochschulen und bei der Errichtung der Wissenschafts- und Innovationsparks auf dem Telegrafenberg und in Golm.

Die Kooperation von Forschungseinrichtungen im Raum Potsdam und die daraus resultierenden Synergieeffekte ermöglichen den optimalen Einsatz materieller, finanzieller und personeller Ressourcen. Die intensive Zusammenarbeit des Geoforschungszentrums mit der Universität Potsdam, der Freien Universität und der Technischen Universität Berlin, aber auch der wissen-schaftliche Austausch zwischen den Instituten hier auf dem Telegrafenberg unterstreichen diese Einschätzung.

Mit dem Neubau nehmen Sie eine architektonisch gelungene und exzellent ausgestattete Forschungsbasis in Besitz. Darüber hinaus erhalten Sie mit der gleichfalls neu errichteten Zentralen Einrichtung ein Kommunikations- und Versorgungszentrum, von dem auch die benachbarten Institute, die Forschungsstelle des Alfred-Wegener-Instituts, das Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung und das Astropysikalische Institut Potsdam, profitieren werden. Die neuen Gebäude fügen sich harmonisch in das historische Ensemble und beweisen, daß die Maßgaben des Denkmalschutzes den Ansprüchen moderner Architektur nicht entgegenstehen.

Im Ganzen ein überzeugendes Ergebnis! Mein aufrichtiger Dank gilt allen, die auf Bundes- und Landesebene die Voraussetzungen schufen. Dank und Glückwünsch an den Institutsvor-stand, an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, Architekten, Baubetriebe, Handwerker und beteiligten Behörden für die Realisierung dieses Zukunftsprojekts. Ich bin sicher, daß Sie sich hier wohlfühlen und die neuen Möglichkeiten mit viel Erfolg nutzen werden. Dem GFZ wünsche ich für die weitere Arbeit alles Gute!

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