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"Die Region als eingeführtes Markenzeichen"

Ministerpräsident Stolpe würdigt die Tourismusarbeit im Spreewald; Presseinformation vom 21. Februar 2001

Die Festveranstaltung zur Feier des zehnjährigen Jubiläums des Fremdenverkehrsvereins Lübbenau und Umgebung e.V. hat Ministerpräsident Stolpe genutzt, um eine Bilanz des Spreewaldtourismus zu ziehen. Stolpe führte folgendes aus:

"Der Spreewald gehört zu den bekanntesten Urlaubsgebieten Deutschlands. Er ist eine der schönsten Attraktionen des Landes Brandenburg, ein Pfund, mit dem wir wuchern können. Neben Sanssouci ist diese Landschaft das touristische Zugpferd schlechthin.
Wer weiß das besser als Sie, die Sie tagtäglich daran arbeiten, die Region noch attraktiver und bekannter zu machen. Und das seit zehn Jahren, als mit der Gründung des Fremdenverkehrsvereins Lübbenau und Umgebung ein wichtiges Instrumentarium für die effiziente wie verträgliche Entwicklung des Tourismus in der Region geschaffen wurde. Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum und ein großes Dankeschön an alle, die sich für den Verein stark gemacht haben, die ihm das Laufen beibrachten, für sein Wachsen und Werden sorgten, die mit ihm zusammenarbeiten! Vor mehr als zehn Jahren wurde der Spreewald als Biosphärenreservat ausgewiesen und steht damit als Rückzugsgebiet seltener Tiere und Pflanzen unter unserem besonderen Schutz. Seit Jahrhunderten aber ist die Flusslandschaft mit ihrem feinmaschigen Fließgewässernetz von immerhin 970 Kilometern Länge auch Siedlungsgebiet, Lebensraum und Lebensgrundlage für Menschen. Die ersten Siedler waren im 6. Jahrhundert Sorben, deren Kultur, Bräuche und Sprache auch heute noch gut aufgehoben sind in Brandenburg.

175 Quadratkilometer ist der Spreewald groß, 194 befahrbare Fließe gibt es. 40 Prozent des Spreewaldes sind Wald, 60 Prozent Wiesen und Felder. Als ich diese Zahlen las, wurde mir klar, dass ich den Spreewald zwar kenne, dass es jedoch selbst für mich noch viele Ecken zu entdecken gibt. Und das ist eigentlich nicht an einem Tag zu schaffen. Doch noch kommt die größte Zahl der Besucher als Tagestouristen. Immerhin betreut Ihr Verein rund 3000 Betten (gewerbliche und private), die Zahl der Übernachtungen liegt bei gut 300.000.

Das sind Zahlen, die sich sehen lassen können, auf denen man sich andererseits jedoch auch nicht ausruhen darf. Auch das wissen Sie besser als ich. Sie arbeiten daran, dass der Tourismus in der Region weiter voran kommt. Denn der Spreewald ist und bleibt wichtigstes Tourismuszentrum im aufstrebenden Reiseland Brandenburg. Auf die Zahl der Übernachtungen bezogen, fiel er allerdings hinter den Fläming und das Ruppiner Land auf Platz drei zurück.

Was für Brandenburg gilt, gilt auch für diese Region: Wir müssen den Tourismus als Wirtschaftsfaktor noch konsequenter nutzen. Hier liegt bisher ungenutztes Potential zur Schaffung neuer Arbeitsplätze. Und man sollte es nicht unterschätzen - der Beitrag des Tourismus zum Inlandsprodukt kann bis zu 10 Prozent betragen. Zweifelsfrei gilt das erst recht für den Spreewald.

Der Tourismus ist eine wichtige Wachstumsbranche in Brandenburg. Mehr als 50.000 Beschäftigte finden in ihr bereits heute Lohn und Auskommen; Tendenz steigend. Vor allem die Investitionen in die Infrastruktur stehen für die Landesregierung obenan. Radwege, wie der fertig gestellte und bereits erfolgreich vermarktete Gurkenradweg, gehören dazu, auch Wander-, Reit- und Wasserwanderwege (eine Vielzahl von Anlegestellen wurden geschaffen und vermarktet), nicht zu vergessen die Bäderkonzeption, von der auch Lübbenau mit seinem Kristallbad profitiert. Um weiter zu wachsen, gilt es, die vorhandene Qualität zu sichern und zu steigern. Gemeinsam mit der TMB, die regelmäßig Marktforschung betreibt und eine permanente Gästebefragung durchführt, sollten die regionalen Anbieter mehr und neue Produkte entwickeln.

Für den Spreewald kann das beispielsweise heißen, die Region als eingeführtes Marken-zeichen in Deutschland gemeinsam mit dem Oberzentrum Cottbus, dem Lausitzring und der IBA Fürst-Pückler-Land noch besser bekannt zu machen. In unseren Breitengraden ist das Wetter der Unsicherheitsfaktor des Tourismus. Deshalb ist es dringend geboten, Maß-nahmen zur Saisonverlängerung anzugehen. Leider hängt das Schlittschuhlaufen auf den Fließen auch von den Temperaturen ab, aber gut durchdachte Winterprogramme müssen die kurze Sommersaison ergänzen, denn fünf bis sechs Monate reichen auf Dauer nicht aus, um das Geld fürs ganze Jahr zu verdienen.

Ich weiß, dass Sie hierbei bereits ein gutes Stück vorangekommen sind. Auch die beiden Spreewaldkonferenzen mit über 100 Teilnehmern half der Kommunikation zwischen den Beteiligten auf die Beine.
Darüber hinaus ist die Zusammenarbeit mit dem Biosphärenreservat noch ausbaufähig. Das Gewässerrandstreifenprojekt hat zwar für mancherlei Unruhe in der Region und vor allem bei den im Tourismus Beschäftigten gesorgt (bessere Information und Abstimmung im Vorfeld wäre sicher hilfreich gewesen), im Ergebnis tut dieses Projekt dem Spreewald gut. Die Wasserregulierung, mit erheblichen Mitteln des Bundes bewerkstelligt, hilft, die hochsensible Landschaft zu erhalten. Lübbenau ist anerkannter Erholungsort und einladendes Tor zum Spreewald. Hier spielt im Sommer die Musik, wenn der Run auf die Kahnpartien losgeht. Zuweilen ist hier das Maß des Erträglichen - für Besucher, Einheimische und die Beschäftigten in der Tourismusbranche - überschritten. Um so wichtiger ist es, das Instrument der Besucherlenkung als geeignetes Mittel für einen erhaltenden, sanften Tourismus einzusetzen. Eben weil die Zugänge zum Spreewald begrenzt sind, ist die überörtliche Zusammenarbeit umso wichtiger.

Ich begrüße den Vertrag zwischen Lübbenau, Lübben und Burg. Luckau, die überaus erfolgreiche Stadt der Laga 2000, sollte auch hinzugenommen werden!

Schon heute bin ich sicher, dass die Investitionshilfen des Landes gut angelegtes Geld sind: der Bustourismus läuft, der günstige Bahnanschluss von Berlin und Cottbus bringt zahl-reiche Gäste nach Lübbenau, der Kahnanleger wird mit einer Förderung von 600.000 DM ausgebaut, das Kristallbad hat einen großen Besucherzuspruch, das Spreewaldmuseum wird ausgebaut, das Radwegenetz im Landkreis Oberspreewald-Lausitz wurde erheblich er-weitert. Weitere Infrastrukturförderungen gelten dem Ausbau und der Sanierung der B 115. Das Land setzt bewusst und gewollt über 40 Millionen DM ein.

Wir wollen, dass der Spreewald sich zur Freude der Besucher und zum Wohle der Menschen, die hier leben, optimal entwickelt! Die Sage berichtet, dass der Spreewald entstand, weil einst der Teufel mit zwei schwarzen Ochsen die Spree pflügte. Weil die Ochsen nicht so recht vorankamen, warf der Teufel seine Mütze nach ihnen. Sie sprangen vor Schreck kreuz und quer - so entstanden die Verzweigungen des Flusses. Ich denke eher, dass Gott seine Hand im Spiel hatte, als diese liebliche Landschaft entstand. Sie vereint - wie ganz Brandenburg - Wasser, Wald und Wiesen auf einzigartige Weise. Und immer wieder weitersagen: Der Spreewald ist nicht nur eine Reise wert!"

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