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Stolpe: Regine Hildebrandt ist Mutmacherin

Rede des Ministerpräsidenten Manfred Stolpe anlässlich der Verleihung des Großen Verdienstkreuzes 1. Klasse am 29. März 2001 an Regine Hildebrandt. Er betonte u.a.:

"Regine Hildebrandt erhält heute diese Auszeichnung, um ihr Wirken als Politikerin für Brandenburg, für den ganzen Osten und für das Zusammenwachsen von Ost und West zu würdigen. Ihr geradliniger Politikstil hat in ganz Deutschland Resonanz gefunden, hat sie zu einer Mutmacherin für die Ostdeutschen, zu einer der beliebtesten Politikerinnen in ganz Deutschland gemacht.

Regine Hildebrandt ist eine Frau, aus deren Wortschatz die Begriffe "Geht nicht!" gestrichen sind. Was sie tut, tut sie ganz. Hat sie sich einmal für eine Sache entschieden, gibt es nur den vollen Einsatz! Nahezu ein Jahrzehnt hat sie in und für Brandenburg Politik gemacht. Als Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Frauen kämpfte sie unbeirrt und mit beispiellosem Nachdruck dafür, dass die Menschen mitgenommen werden auf dem schwierigen Übergangs- und Anpassungsprozess von der Planwirtschaft in die Marktwirtschaft.

Viel früher als andere erkannte Regine Hildebrandt, dass dieser Übergang großen sozialen Sprengstoff bereithält. Ihr war - wie uns allen - klar, dass es zu einschneidender Arbeitslosigkeit kommen würde. Über den Umfang und die anhaltende Dauer dieser Arbeitslosigkeit allerdings waren wir uns lange nicht im klaren.

Regine Hildebrandt wurde schnell die treibende Kraft einer aktiven Arbeitsmarktpolitik. "Arbeit finanzieren statt Arbeitslosigkeit" - diesen gedanklichen Ansatz verband sie mit einem Arbeitsförderungsgesetz, das mit neuen Instrumenten den Bedürfnissen ostdeutscher Arbeitsmarktpolitik Rechnung trug. Sie stemmte sich gegen Resignation und Mutlosigkeit, sie baute Brücken, aber sie forderte die Menschen auch, für sich und ihre Rechte zu kämpfen.

Daneben galt ihre ungeteilte Aufmerksamkeit der Gesundheitspolitik. Dass Brandenburg heute über eine effiziente Krankenhauslandschaft verfügt, ist ihr Verdienst. Mit dem Investitionsprogramm Pflege ist es Regine Hildebrandt und ihrem Haus gelungen, die Situation alter und pflegebedürftiger Menschen entscheidend zu verbessern.

Wer je mit ihr zu tun hat, erfährt, mit welcher Vehemenz sie für die Sache der Frauen streiten kann. Probleme und Bedürfnisse von Frauen sind ihr Herzensangelegenheit. Ihr Eintreten für das Thema Kinderbetreuung, um die berufliche Unabhängigkeit von Frauen zu ermöglichen, war ein besonders schwerer Kampf, weil sie gegen einen gesellschaftlichen Trend arbeiten musste. Ein Trend, der von Frauen aus dem Osten nicht akzeptiert wird.

Im direkten Gespräch ist Regine Hildebrandt am überzeugendsten: sie verblüfft durch ihre entwaffnende Ehrlichkeit, besticht mit der Unkonventionalität ihrer Ideen, überzeugt durch die Schärfe des Arguments. Regine Hildebrandt reißt mit durch ihren Optimismus, durch die Kraft und Zuversicht, die sie ausstrahlt. Trotz ihrer schweren Krankheit ist sie von dieser Haltung kein Jota abgewichen.

Nach ihrem Ausscheiden aus der Regierung im Jahre 1999 ist Regine Hildebrandts Engagement ungebrochen, ist ihr Terminkalender nach wie vor prall gefüllt. Im Forum Ostdeutschland hat die Sozialdemokratin ein wichtiges Betätigungsfeld übernommen. Von hier aus macht sie wie eh und je ernst mit dem Benennen der sozialen Konflikte, die in Ostdeutschland am deutlichsten hervortreten und dem Eintreten für die Gestaltung der inneren Einheit.

Auch hier ist ihr Wirken getragen von sozialem Engagement und der Überzeugung, dass Veränderungen das eigene Mittun brauchen. Liebe Regine Hildebrandt, Du warst die "Frau des Jahres 1991", Du bekamst 1993 den Gustav-Heinemann-Bürgerpreis, im gleichen Jahr die Hamm-Brücher-Medaille. Und ich darf Dir heute nun das Große Verdienstkreuz überreichen.

Für mich bist Du auch die Frau des Jahres 2001! Ich beglückwünsche Dich zu dieser Auszeichnung! Ich wünsche Dir weiterhin viel Kraft , frohen Mut, Beistand und Segen!"

   nach oben © Landesregierung Brandenburg, 2001